Subscribe:

Ads 468x60px

Monday, January 26, 2015

Räuchermischungen geraten zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit - welche Folgen hat das?


Erst neulich waren Räuchermischungen Inhalt von SternTV - natürlich mit katastrophalem Beigeschmack als vermeintliche "Zombie-Droge" und der üblichen Anti-Drogen-Propaganda. Und auch heute liest man immer häufiger von Newsmeldungen über  "Unfälle" oder auch oft Krankenhaus-Einlieferungen nach dem Rauchen einer Kräutermischung. Hier eine unvollständige Auswahl der unzähligen verschiedenen Artikel zu dieser Thematik allein in den letzten 2 Wochen (!), um sich mal ein Bild darüber machen zu können und zu fragen, was das für uns Rauschliebhaber zu bedeuten hat:
Beliebte Räuchermischungen
Beliebte Räuchermischungen

Nachrichten über Kräutermischungen


Nein zur Kräutermischung: 16-Jähriger „verpetzt“ 19-Jährigen

Zahlreiche Notfälle nach dem Konsum von "Kräutermischungen" - Das Landeskriminalamt warnt eindringlich...

Von Kräutermischung völlig verwirrt auf der A3 unterwegs

18-Jähriger sticht nach Konsum von Kräutermischungen zu: Amtsgericht Wittlich verurteilt ihn zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe

Notarzteinsatz: Kräutermischung in der Berufsschule geraucht 

Kräuterdrogen-Konsum hatte fatale Folgen

Kräutermischung geraucht: 32-Jähriger Portugiese bricht zusammen

Randale in Klinik – Jugendlicher flippt nach Kräutermischung aus

Das Landeskriminalamt warnt eindringlich vor Legal High-Drogen

Nürnbergerin nach Konsum von Kräutermischungen ins Krankenhaus eingeliefert

USW.

Kräutermischung Unfall LKW
Berauschter LKW-Fahrer
rast in Tankstelle

LKW-Fahrer crasht auf Cannabinoiden in Tankstelle

Besonders großes Aufsehen und ein entsprechendes Medienecho bekam die Geschichte über einen LKW-Fahrer, der jetzt erst am Wochenende unter dem Einfluss vom Rausch einer "Kräutermischung" seinen Lastwagen frontal in eine ARAL-Tankstelle steuerte und so einen Sachschaden von einer halben Million Euro anrichtete. Da synthetische Cannabinoide - die Wirkstoffe in den "legal high"-Räuchermischungen - allerdings unschwer bis gar nicht (je neuer, desto schwieriger der Nachweis) beim Konsumenten beweiskräftig nachgewiesen werden können, muss der 27-jährige Fahrer entweder sich selbst belastet haben oder die Polizei-Beamten fanden bei ihm ein angebrochenes Päckchen einer Räuchermischung - und selbst dann müsste der rechtlich verwertbare Beweis als Blutprobe erbracht werden. Wir lernen also erneut: IMMER SCHWEIGEN, Aussage verweigern als erstes - später unter Hinzuziehung eines guten Anwaltes kann man sich immer noch zur Sache äußern. Doch durch eine Aussage belasten sich die meisten Beschuldigten nur selbst und erleichtern somit der Polizei und Staatsanwaltschaft unfreiwillig die Arbeit, riskieren statt eines Freispruchs bzw. Nichtanklage sogar eine Verurteilung - alles schon vorgekommen!

Folgen der zunehmenden Berichterstattung über Räuchermischungen


Was sind die Konsequenzen dieser vermehrten Berichterstattung? Nunja, in jedem Fall tritt eine Sensibilisierung der Journalisten und somit auch des Ottonormal-Lesers ein, sodass die Legal-High-Drogen zunehmend aus ihrem Schattendasein verschwinden. Sowohl das Bestellen von Kräutermischungen nimmt dadurch zu wie auch die behördliche Aufmerksamkeit. Letzteres halte ich für die schwerwiegendste Folge, denn mit dem steigenden öffentlichen Interesse stellt sich nicht nur die Polizei und Führerscheinbehörden etc. darauf ein, sondern auch die Justiz sieht sich immer mehr genötigt, damit auseinanderzusetzen und Bestimmungen wie Verbote zu erlassen, sodass dieser Cannabis-Ersatz in Zukunft vielleicht sogar ganz wegfällt da pauschal verboten? Andererseits wird eventuell auch ein Bewusstsein für die Ursache der Legal-highs geschaffen: nämlich das Cannabisverbot, welches durch eine etwaige Aufhebung das weitestgehende Verschwinden der Kräutermischungen langfristig nach sich zöge und die Behörden nicht weiter beschäftigen würde. Immerhin hat jetzt ganz aktuell das oberste deutsche Gericht für Strafsachen erstmals eine Grenze für die "nicht geringe Menge" synthetischer Cannabinoide festgesetzt:

BGH: Grenzwert für Synthetische Cannabinoide bei 2 und 6 Gramm

Zum ersten Mal in der deutschen Rechtsprechung hat der Bundesgerichtshof (BGH) nun  für bestimmte synthetische Cannabinoide Grenzwerte für das Überschreiten der sog. "nicht geringen Menge" festgelegt. Damit wird für die betreffenden Wirkstoffe endgültig Klarheit für die Grenze zwischen Vergehen und Verbrechen geschaffen, denn alles was über der "nicht geringen Menge" liegt, gilt automatisch als "Verbrechen" und wird zwangsläufig mit Freiheitsstrafe geahndet - die aber auch noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Konkret hat der BGH für die künstlichen Cannabinoide mit Namen JWH-018 und CP 47, 497 –C8-Homologes nach einer Sachverständigen-Anhörung den Grenzwert der nicht geringen Menge auf 2 g festgesetzt. 2g des puren Wirkstoffes wohlgemerkt, nicht 2g Räuchermischungen. Für die Substanzen namens JWH-073 und CP 47,497 liegt der Grenzwert gar bei 6g. Pro Räuchermischungspäckchen von üblicherweise 2-3g sind je nach Cannabinoid-Sorte vermutlich selten mehr als 100mg Wirkstoff enthalten (eine Konsumeinheit purer Cannabinoide liegt ungefähr zwischen 1 und 15mg iirc).
Allerdings sind die behandelten Cannabinoide ziemlich alt und werden ohnehin in keiner Mischung mehr verwendet - das JWH-018 beispielsweise war Hauptbestandteil der ersten legendären Räuchermischung "Spice". Mittlerweile kommen regelmäßig alle paar Monate neue Rauchmischungen mit im Labor neu entwickelten Substanzen auf den Markt, die ihrerseits erst einmal als solche erfasst werden müssen vom Gesetzgeber, dann verboten und schließlich müsste ein Gericht bei Notwendigkeit erneut die "nicht geringe Menge" des neuen Cannabinoids festlegen. Dieses Spielchen geht solange weiter, bis entweder Cannabis legalisiert wird oder pauschal alle Räuchermischungen konsequent verboten werden.

Vorausgegangen war dem Urteil ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen "Legal-High-Dealer", der bei der Durchsuchung seiner Lagerbestände des Ersatz-Haschischs bzw. der eigentlich legalen Gras-Alternative mit bereits verbotenen Cannabinoiden vorrätig und wohl auch verkauft hatte (magicmushroomsbestellen.com berichtete). Dieser wurde zu 2 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, doch mit dem Aufheben des Urteils wegen der neuen Festsetzung der "nicht geringen Menge" wird der Fall wieder zurück ans Landgericht Landshut gegeben.

No comments:

Post a Comment